Die besten Filme des Jahres 2020

Unsere Lichtblicke im Corona Kinojahr

Es ist geschafft. Das Jahr 2020 ist vorbei. Endlich.

Etwas, das viele Experten seit Jahren prognostiziert haben, ist tatsächlich eingetroffen: Ein potenziell tödliches Virus hat sich über die Mechanismen der Globalisierung ausgebreitet und stürzte die moderne Welt ins Chaos.
Hätten Sie 2019 eine Umfrage gemacht, es ist zu vermuten, dass mehr Menschen an einen dritten Weltkrieg geglaubt hätten als daran.

Ironisch, dass die Warnungen einiger Wissenschaftler bereits 2011 im Film „Contagion“ verfilmt wurden und nun erschreckend an eine Blaupause für alles Geschehene der letzten 10 Monate erinnert.

Millionen Menschen haben ihre Arbeit verloren, hunderttausende Menschen sind oder waren mit dem Corona-Virus infiziert, es gibt tausende Tote zu beklagen und unzählige Einzelschicksale, die einen fassungslos zurücklassen. Die halbe Filmwelt in Hollywood und die gesamte Kulturbranche, bestehend aus Gastronomie, Theater, Musik und Film, ist auf den Knien. Nicht wenige prophezeien, dass dies wohl der allerletzte Sargnagel für viele Kinobetreiber sein wird. Eine grausame Vorstellung.

Natürlich waren wir alle dankbar für die Streamingdienste von Amazon Prime, Netflix, Disney+ und alle anderen Anbieter, die uns durch den Lockdown geholfen haben. Aber dieses gewisse Kribbeln, das einem Kinobesuch vorausgeht: die Auswahl des Films, das Karten reservieren, das Anziehen der Kleidung, Schminken, der Weg zum Kino, das warten an der Kinokasse, der Geruch von Popcorn und das Platznehmen im Kinosaal, das Licht geht aus… 
Es fehlt.

Doch es gab auch Lichtblicke in diesem Jahr. Seien wir ehrlich: selten gab es eine bessere Zeit, um den sogenannten „Backlog“ abzuarbeiten (er ist trotzdem noch riesig…..) und dass es bereits die ersten Impfungen gegen Corona gab, macht Hoffnung auf eine baldige Besserung der Gesamtlage. Auch im Kinobereich gab es tatsächlich sehr viele Filme, die 2019 gedreht und dann entweder noch kurz vor dem ersten Lockdown eine Veröffentlichung erfuhren. Viele auch „Direct to Stream“ oder sehr kurz nach der Kinoveröffentlichung, als sich bereits der Lockdown andeutete. Einige Wenige erhielten auch erst weit nach US Kinorelease ein Debüt in Deutschland.

Überraschend dabei: Es gab tatsächlich einige herausragende Veröffentlichungen dieses Jahr. Weniger als gewöhnlich, aber es gab sie. Wir haben für euch eine Liste unserer Top 10 Filme (Kino & Streaming) im Jahr 2020 zusammengestellt.

Bitte beachten: Die Liste folgt keinem Ranking, sondern stellt lediglich eine Auflistung dar!

1917

Nur wenige Genres durchlebten in Ihrer Geschichte so viele Wandlungen wie das des Kriegsfilms (ja, wirklich!).

Was als Inszenierung realer Ereignisse begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zunächst zur kritischen Auseinandersetzung mit den Hintergründen einzelner Kriege, dann hin zu den Auswirkungen auf die Soldaten und Zivilisten und schließlich hin zu einem Genre, welches gerne von Verteidigungsministerien und Waffenlobbyisten mitfinanziert wird oder nur wenig mit realen Ereignissen zu tun hat.

Direkt zu Beginn des Jahres 2020 überraschte uns ein Film, welcher die Thematik des Ersten Weltkriegs aufgriff und uns in das Jahr 1917 zurückführte. Irgendwo zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland.

Der Film von Regisseur Sam Mendes nahm sich keine Geschichte einer ruhmreichen Schlacht als Vorbild, stellte keine weltbekannten Schauspieler in den Vordergrund und schmückte sich auch nicht mit ausufernden CGI Effekten, um Schwächen beim Drehbuch oder an anderer Stelle zu kaschieren. Der Film überraschte stattdessen mit einer Geschichte, die sich echt anfühlte, dem Wahnsinn des Ersten Weltkriegs gerecht wurde und überwiegend auf unverbrauchte Schauspieler setzte.

Bedeutendstes Merkmal des gesamten Films ist, dass er als „One-Shot“ gedreht wurde und somit ohne (merkbare) Schnitte auskommt. Der Film wirkt, als spiele er in Echtzeit und alles wird in einer einzigen riesigen Szene gespielt.

Verdient gab es dafür jeweils einen Oscar in den Kategorien „Beste Regie“, „Bester Ton“ und „Beste Visuelle Effekte“ sowie diverse weitere Auszeichnungen und Nominierungen.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters)

Es gibt diese Filme, die bringen einen zum Nachdenken. Über sich selbst, sein eigenes Handeln, seine Vergangenheit, Zukunft oder sein eigenes Umfeld.
Und dann gibt es Filme, die einen dazu bringen können, um kurz nach Mitternacht in seiner eigenen Küche zu stehen und umgehend seine beschichtete Pfanne in den Müll werfen zu wollen.
Vergiftete Wahrheit“ ist dieser Film.

Nicht wenige Kritiker haben diesen Film als den wichtigsten Film 2020 betitelt und auch wir haben ihn in unserer Kritik mehr als gewürdigt.

Die Handlung des Films beruht auf wahren Begebenheiten und dokumentiert den inzwischen mehr als 19 Jahre andauernden Rechtsstreit zwischen dem Anwalt Robert Bilott und dem Chemiegiganten DuPont in West Virginia (USA). Der Anwalt deckt die dunklen Machenschaften des Chemiekonzerns auf, welcher seine zwielichtigen Methoden der Forschungen an Menschen und rechtswidrigen Entsorgungsmethodiken der Chemikalien zur Beschichtung von Pfannen, vertuschen möchte.

Regisseur Todd Haynes liefert  einen der wichtigsten Filme der letzten Jahre und erhält dabei Unterstützung von einem überragend spielenden Mark Ruffalo und einer mehr als herausragenden Anne Hathaway, die wohl ihre bisher beste schauspielerische Leistung abruft. Das Wissen, dass alles gezeigte auf wahren Begebenheiten beruht, erzeugt während der gesamten Spieldauer ein erdrückendes Gefühl.

Richard Jewell

In den USA gilt der Fall um den Mann „Richard Jewell“ gemeinhin als Allgemeinbildung. In Deutschland genießt der Fall wenig Bekanntheit, was nicht zuletzt daran liegt, dass es Mitte der 90er Jahre noch keine weit verbreitete internationale Presse und Social Media gab, um so einen Fall in die Welt zu tragen.

Regisseur Clint Eastwood nimmt sich in seinem neuesten Werk einem der bekanntesten Fälle der USA über Behördenversagen an. Der Film greift die Handlung um den Wachmann Richard Jewell auf, dessen überambitionierte Arbeitsweise ihm in der Vergangenheit oft Probleme einbrachte. Bei einem Arbeitsrundgang über eine Festivität zu den olympischen Spielen in Atlanta 1996 führt sein Eifer aber dazu, dass unzählige Tote durch einen Bombenanschlag verhindert werden. Jewell wird in den Medien zunächst als nationaler Held gefeiert und mit Angeboten und Verträgen überschüttet. Durch falsches Profiling und fehlende Anhaltspunkte seitens des ermittelnden FBI bei der Suche nach dem Täter gerät er zunehmend in den Verdacht, selbst für den Anschlag verantwortlich zu sein. Als die Medien von den Verdächtigungen gegen ihn erfährt, beginnt für ihn und seine Mutter ein Alptraum.

Hauptdarsteller Paul Walter Hauser, welcher z.B. schon in der Serie Kingdom sein Können mehr als bewiesen hat, zeigt an der Seite eines erneut stark aufspielenden Sam Rockwell (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) oder einer Kathy Bates, seine bisher stärkste Leistung als Schauspieler. Neben Golden Globe Gewinner Jon Hamm ist auch Olivia Wilde in den Nebenrollen vertreten.

Der Film zeigt deutlich, wie schnell sich das Blatt um eine Person wenden kann, und welche Macht Behörden, aber auch die Medien, in der Wahrnehmung um eine Person haben können.

 

Die Wütenden - Les Misérables

Sozialstudien und die Auseinandersetzung mit dem Scheitern mangelnder Integrationsmodelle sind noch immer ein heikles Thema – auch in der modernen Filmwelt. Legen sie doch sehr oft den Finger in die Wunden von Mitgeldgebern eben jener Filme.

Als der französische Regisseur Ladj Ly im Mai 2019 seine (lose) Neuinterpretation des Romans „Les Misérables“ bei den Filmfestspielen in Cannes einreichte, war sowohl Publikum als auch Presse begeistert. Es folgten unzählige Preise und sogar eine Nominierung als bester internationaler Film bei den Oscars.

Ly schildert in seinem Werk den Arbeitsalltag drei französischer Polizisten im Pariser Stadtteil Montfermeil. Deren Arbeitsalltag besteht darin, zwischen Jugendbanden, kriminellen Clans, sozialer Armut, Drogen und Perspektivlosigkeit den sozialen Frieden zu bewahren. Bei einer Routinekontrolle unterläuft einem der Polizisten ein schwerwiegender Fehler, durch welchen die drei Polizisten eine Welle des Hasses und unzähmbarer Wut entfachen.

Ladj Ly verarbeitet mit diesem Film seine Erlebnisse der sozialen Unruhen 2005 in den Pariser Vororten, bei denen der Tod von zwei Jugendlichen wochenlange Proteste und Gewalt auslöste. Die Wütenden“ zeigt auf erschreckende Art und Weise, welche Auswirkungen die Vernachlässigung von Integrationsbemühungen für Migranten, aber auch Folgegenerationen von Einwanderern haben kann; und wie eine einzige Aktion das Streichholz für einen sozialen Brand entzünden kann.

Knives Out

England, schlechtes Wetter, ein altes Herrenhaus, ein Todesfall, Polizeiermittlungen und ein berühmter Detektiv, der unbequeme Fragen stellt.

Der klassische Kriminalfilm ist über die letzten Jahrzehnte mehr und mehr aus der Mode gekommen. Was früher „Mord im Orient Express“ darstellte, ist heute den wöchentlichen Krimiserien wie CSI, Tatort oder ähnlichem gewichen. Als im Jahr 2018 bekannt wurde, dass Regisseur Rian Johnson an einem Drehbuch für einen klassischen Kriminalfilm schreiben würde, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Der Name „Rian Johnson“ wird zumindest bei Star Wars Fans wohl nie wieder Begeisterungsstürme auslösen (dafür dürfte seit Episode 8 gesorgt sein). Umso erstaunlicher war es, dass Johnson direkt im Januar 2020, den ersten Überraschungshit mit Starbesetzung ins Kino brachte: „Knives Out„.

Die Liste der Schauspieler liest sich dabei wie ein Blockbuster: Daniel CraigChris EvansJamie Lee CurtisDon JohnsonAna de ArmasMichael Shannon, und mehr.

Und doch weiß der Film eben nicht mit Bombast zu überzeugen, sondern mit einer exzellenten Handlung, sehr guter Kamera, exzellentem Schauspiel und einem kleinen aber spannenden Setting, welches den Zuschauer bis zum Schluss miträtseln lässt, was im alten Herrenhaus tatsächlich vorgefallen ist.

Schon beim Aufleuchten der Credits war klar: Dieser Film hat einen Platz in den Top 10 des Jahres nahezu sicher. Zum Glück soll Knives Out Part 2 zeitnah folgen.

Bitte mehr davon!

Just Mercy

Gerichtsfilme erfreuten sich schon immer einer hohen Beliebtheit in der Geschichte des Films. Egal ob „12 Angry Men“ (Die 12 Geschworenen), „A Time to Kill“ (Die Jury) oder z.B. „A Few Good Men“ (Eine Frage der Ehre). Die Liste der Vertreter dieses Genres ist lang und hat der Welt schon häufig großartige Filme mit kluger Sozialkritik und großem Schauspiel beschert.

Die Geschichte von dem jungen (schwarzen) Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan), der sich nach seinem Harvard Jura-Abschluss gegen eine große Karriere bei einer renommierten Anwaltskanzlei entscheidet und stattdessen zum Tode verurteilte (schwarze) Gefängnisinsassen in seiner Heimat Alabama verteidigen möchte, beruht auf wahren Begebenheiten. Er nimmt sich dem Fall von Walter McMillian (Jamie Foxx) an, dem ein grausamer Mord nachgesagt wird, obwohl sämtliche Beweise gegen ihn als Täter sprechen und rollt den Fall erneut auf.

Just Mercy“ ist nicht nur wegen der Zusammenhänge mit den sozialen Unruhen im Frühsommer 2020 in den USA wertvoll. Zwar liegt seine Handlung schon viele Jahre zurück, doch ist die Botschaft des Films eigentlich „es hat sich bis heute nichts geändert!“. Er hält Gesellschaften schonungslos einen Spiegel vor und legt einen Finger in die Wunde des offenen Rassismus und zeigt, wozu Vorverurteilung und ein ungleiches Gerichtssystem führen können. 

The Devil All the Time

Auch Netflix liefert einen Beitrag zu unseren Filmhöhepunkten 2020. Mit „The Devil All The Time“ sogar einen, der sicherlich nicht für jedermann ist. Die Handlung (basierend auf dem Roman „Das Handwerk des Teufels“) erzählt vom Lebensweg des Jungen Arvin Russell (Tom Holland), dessen Vater, ein Veteran des Zweiten Weltkriegs, auf seiner Rückkehr aus dem Krieg seine zukünftige Frau kennenlernt und sich gemeinsam mit ihr Leben in der ländlichen, strenggläubigen Gegend von West Virginia aufbauen möchte.

Die Erzählweise des Films erinnert entfernt an die Erzählstruktur eines Tarantino Films. Sie vereint mehrere Personen und Erzählstränge, die am Ende zu einem gemeinsamen Ende führen. Die Verkettung der Ereignisse setzt dabei schon ganz am Anfang des Films ein und löst sich erst gegen Ende zunehmend (und klug) auf. Der Film greift mal unterschwellig, mal deutlich Themen wie strenge Gläubigkeit, mangelnde Bildung, Gewalt in der Kindheit oder Missbrauch auf und glänzt mit einem exzellenten Tom Holland, der in diesem Film beweist, dass er zu mehr als „Spider-Man“ fähig ist. In den Gastrollen glänzen unter anderem Haley BennettSebastian Stan oder Robert Pattinson.

Sicherlich kein einfacher Film, aber definitiv einen Blick wert und ein exzellentes Beispiel dafür, dass Netflix auch weiterhin zu guten Eigenproduktionen fähig ist.

The Gentlemen

„Ein junger Amerikaner erkennt an der Universität Oxford sein „Verkaufstalent“, baut in den Jahren nach seinem Abschluss die größte Produktion und Vertriebskette für Marihuana in ganz Großbritannien auf; bevor er für seinen Ruhestand einen Käufer und Nachfolger sucht.“ so könnte man die Synopsis für „The Gentlemen“ in einem Satz zusammenfassen. 

Und so einfach und banal diese klingen mag, so überraschend frisch, modern, witzig (und gewalttätig) ist die gesamte Handlung inszeniert. Regisseur Guy Richie findet mit „The Gentlemen“ wieder zu alter Stärke zurück und Hauptdarsteller Matthew McConaughey ist anzumerken, dass er richtig Lust auf diesen Film hatte. Man hat ihn selten mit so viel Kraft und Leidenschaft eine Rolle spielen sehen. Der Film punktet besonders durch seine Eröffnungssequenz, die ein Gespräch zwischen Conaughey’s Assistenten (Charlie Hunnam) und dem Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant) zeigt, der den Machenschaften der „Gentlemen“ auf die Schliche gekommen ist und die Ereignisse und seine Erkenntnisse der letzten Tage offen legt, um Lösegeld zu erpressen.

Fans von britischen Gangsterfilmen wie „Layer Cake„, „Bube, Dame, König, Gras„, oder „Snatch“ werden an diesem Film besonders viel Freude haben, da der Film durchweg gut besetzt ist und mit typisch britischem Humor glänzt. 

„The Gentlemen“ ist der wohl überraschendste Titel auf unserer Liste 2020 – aber verdient!

Marriage Story

„The system rewards bad behaviour“. Das ist der wohl prägendste Satz, der dem Zuschauer nach Betrachtung dieses Films hängen bleiben wird. Er wird den Akteuren und dem Zuschauer in einer Schlüsselszene, von einer Schlüsselfigur, an einem Schlüsselort der Handlung präsentiert: einem Anwalt vor dem Saal eines Familiengerichts in Los Angeles.

Die Ehe von Charlie (Adam Driver) und Nicole (Scarlett Johansson) ist am Ende. Das Künstlerpaar, welches eine sich über den gemeinsamen Beruf beim Theater kennenlernte, hat sich auseinandergelebt. Sie träumt von ihren früheren Erfolgen in ihrer Heimat Los Angeles und hat Sehnsucht nach Ihrer Familie, er ist ein Workaholic, erfolgreicher Regisseur am Broadway und erhält für seine Arbeit zahlreiche Preise und Fördergelder. Als Nicole Charlie eines Tages offenbart, dass sie Veränderung in Ihrem Leben möchte und die Einhaltung alter Zusagen von ihm verlangt, offenbart sie ihm, dass sie die Scheidung will. Es entfaltet sich eine Geschichte um ein Paar, welches seine Differenzen zunächst friedlich beilegen möchte, jedoch im Verlauf der Geschichte den Einflüssen vergangener Handlungen, Anwälten, Familienmitgliedern, Ämtern und Kollegen so stark ausgesetzt ist, dass deren Einfluss auf die Situation überhandnimmt und beide ihre Differenzen nicht mehr so einfach beilegen können und wollen.

Marriage Story“ ist schwermütig. Es gibt wenig positive Momente in diesem Film. Man erkennt sich selbst durchaus oft wieder oder hat ähnliches schon selbst oder bei anderen miterlebt. Der Film trifft den Zuschauer in einer ganz bestimmten Gefühlswelt, auf einer ganz bestimmten Ebene, die nicht immer angenehm zum Anschauen ist, verpackt dies aber in einer exzellent erzählten Geschichte, glaubwürdigen Handlungen der Akteure, starken Mono- und Dialogen sowie einem Ende, welches einen dennoch zufrieden zurücklässt.  Er ist keine Achterbahn, sondern eine Geisterbahn der Gefühle. Aber es lohnt sich das Ticket zu lösen. Vielleicht ist der zweite Vertreter von Netflix der tatsächlich überraschendste Vertreter auf dieser Liste.

Berlin Alexanderplatz

Der 1929 erschienene Roman „Berlin Alexanderplatz“ zählt zu den Klassikern der deutschen Literatur. Sein (schon damals) innovativer Aufbau und die zeitlose Geschichte, macht ihn bis heute immer wieder zur Vorlage für Verfilmungen und Neuerzählungen.

Regisseur und Drehbuchautor Burhan Qurbani nahm sich der Vorlage an und verlagerte die Grundzüge der alten Geschichte in das Berlin von heute. Dort, wo ein illegaler Immigrant nach seiner traumatischen Flucht aus Afrika sein Glück sucht, aber in einem Sumpf aus Gewalt, Drogen, Prostitution und Bandenkriminalität endet.

Das vom ZDF und ARTE Co-produzierte drei Stunden Epos, nimmt den Zuschauer mit auf einen Trip aus grellen Farben, schrillen Tönen, Hoffnung, Optimismus, Trauer, Hass, Rassismus, Neid, aber auch: Liebe.

Die Geschichte um den Migranten Francis (Welket Bungué) gehört mit zu dem besten, was der deutsche Film in jüngster Vergangenheit hervorgebracht hat. Sie behandelt das Thema um illegale Migranten ungeschönt und ohne Kitsch, zeigt deren Wünsche aber auch Probleme schonungslos und paart diese mit dem Licht und Schatten des modernen Berlin.

Die Vielzahl an nationalen und internationalen Preisen und Nominierungen ist gerechtfertigt und macht „Berlin Alexanderplatz“ zu einem würdigen Vertreter in den besten Filmen des Jahres 2020.

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